“Telefonüberwachung”…

Da findet in Leipzig eine Demonstration statt, an der mehr als 1500 Menschen teilnehmen. Sprechchöre hallen über den Augustusplatz und durch die angrenzenden Straßen, es werden Unmengen an Demomaterial verteilt, und die Leipziger Volkszeitung berichtet am Tag 1 nach der Demo mit keinem Wort von der Demo. Im Blickpunkt am 07. November im Leipzig-Teil sind die Straßenbahnen der LVB – mit großem Foto. Bildunterschrift: “Täglich eine Erdumrundung: Zwei Straßenbahnzüge begegnen sich am Leuschnerplatz …” – wow.

Gut, die LVZ hat eventuell einen zu frühen Redaktionsschluss für unsere “spät” angesetzte Demo, dachte ich, und wartete noch einen weiteren Tag ab. Heute war dies auf Seite 2 in der äußersten rechten Spalte zu lesen:

Leipziger Volkszeitung, 08.11.2007, Seite 2

Einige Anmerkungen für die Redaktion der Leipziger Volkszeitung:

  1. Es geht hier nicht nur pauschal um Telefonüberwachung, sondern generell Kommunikationsüberwachung, die Telefonüberwachung mit einschließt, darauf aber nicht beschränkt ist.
  2. Das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung, wie es offiziell heißt, welches die Vorratsdatenspeicherung einschließt, ist keinesfalls ein Problem einiger weniger Berufsgruppen wie Ärzte, Anwälte oder Journalisten (obwohl gerade die Betroffenheit der letzten Gruppe, derer ihr angehört, Euch hellhörig machen sollte), sondern ein Problem jedes Bundesbürgers ab 01. Januar 2008. Jeder, vom Teenie mit dem SMS-Handy, über den Studenten im Internet, bis zum telefonierenden Greis, wird davon betroffen sein.
  3. Eine einzige Zeile zu einer Demonstration zu schreiben, die hunderte, ja weit über 1000 BürgerInnen Leipzigs auf die Straße gebracht hat, zeugt meines Erachtens entweder von totaler Ignoranz in Bezug auf das Thema oder aber absolute, journalistische Inkompetenz, wenn es um lokale Aktionen im Haupteinzugsgebiet dieser Tageszeitung geht.

Mein Entschluss, das Abonnement dieser Zeitung zu kündigen, steht nach dem heutigen Tag endgültig fest.

2 thoughts on ““Telefonüberwachung”…”

  1. Tja, die “freie Presse” nimmt im Gegensatz zum pösen Internet natürlich staatstragende Funktionen wahr.

    Der o.a. Link führt zu einem Buch über die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Parteien und Verlagen.

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